Zunft und Handwerk - Das Geheimnis der Bruderschaft

Der Ruf der Handwerker und die Qualität ihrer Produkte trugen wesentlich zur Wirtschafts- und Anziehungskraft einer Stadt bei. Die Handwerker nahmen auch am gesellschaftlichen Leben teil; ihre Zünfte und Bruderschaften erfüllten soziale Aufgaben.
An den großen Kirchenfesten traten sie gemeinsam in Erscheinung, besonders bei den Prozessionen, anläßlich derer sie die alte Weisheit "Handwerk hat goldenen Boden" eindrucksvoll unter Beweis stellten, mit den prachtvollen silber- geschmiedeten Zunftkreuzen, den überdimensional großen Zunftfahnen, den Heiligen- und Kerzenstangen und den beeindruckenden Prozessions- gewändern.
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Die Bedeutung des Handwerks spiegelt sich noch heute in unserer Sprache: "zünftig" kommt von der Zunft und meint das "gesellige" Beisammensein der Handwerker bei den Zunftsitzungen; "vorladen" meint das Hintreten der Handwerker vor die Lade, die Zunfttruhe. Ein "ungeschliffener" oder "ungehobelter" Mensch ist eigentlich ein Lehrling, der die Gesellenprüfung noch nicht absolviert hat.
Das Passauer Handwerk vergangener Zeiten wird in der Ausstellung des Oberhausmuseums wieder lebendig: im Prozessionszug der Bruderschaften mit den kostbaren Fahnen und Vortragekreuzen, der Zunftsitzung der Passauer Bäcker und dem Altar der Fischerzunft. Eine Lebzelter- und Wachszieherwerkstatt zeigt die Bedeutung des damaligen "Luxus"handwerks für die geistliche Residenz- und Wallfahrtsstadt Passau.
Am Beispiel einer Faßbinderwerkstatt werden Arbeitsvorgänge vergangener Zeiten demonstriert. Die Werkstatt des letzten Passauer Nagelschmiedes veranschaulicht exemplarisch den Wandel der Produktionsmethoden im Zeitalter der Industrialisierung. Seither mußten die Handwerker - wollten sie überleben - erfinderisch sein, Marktlücken entdecken und ausnützen, wie es einem Passauer Hafner gelang, der seine Produkte nach dem zweiten Weltkrieg als Kunstgewerbe vermarktete.
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